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Chronischer Stress © Sylvia NiCKEL

Chronischer Stress: Tor zum Burnout (Video)7 Minuten Lesezeit

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Zuletzt aktualisiert am

Chronischer Stress saugt uns aus. Alle Lebensbereiche leiden. Dabei gelten viele Risikofaktoren als »hausgemacht«. Was wirklich hinter Burnout steckt und wie du chronischen Stress vermeidest: ein wunderbarer Vortrag von Univ.-Doz. DDr. Raphael Bonelli.

Chronischer Stress: eine Anpassungsstörung?

Wer dauerhaft negativem Stress ausgesetzt ist, kann nicht nur ausbrennen, sondern leistet effektiv auch weniger. Ja, richtig gelesen: trotz Überstunden und Mehrarbeit leidet der Output, bis zu 50 Prozent. Dies liegt an der körperlichen Reaktion auf Stress. Denn urzeitlich gerieten wir unter Stress, wenn der berühmte Säbelzahntiger oder andere Gefahren lauerten. Das Gehirn fährt auf Notprogramm:

  • Verdauung einstellen,
  • Blutdruck für die Muskulatur erhöhen,
  • Abschalten des Intellekts, denn dieser ist hinderlich bei den möglichen Reaktionen:
  • Angriff, weglaufen oder Starre.

Chronischer Stress kann auch eine Folge fehlgeleiteter Anpassung sein. Wir vermuten, dass dies, das und jenes von uns erwartet wird und stürzen uns in den Stress, weil nicht alles unter den berühmten Hut passt. Doch, wer hat einen Zettel in der Hand, auf dem steht: du sollst …?!? Und selbst wenn: wem steht es zu, uns diese Vorschriften zu machen?

»Burnout ist eine Anpassungsstörung wie die “Posttraumatische Verbitterungsstörung”«, so Raphael Bonelli, auch wenn Burnout bisher nicht klassifiziert ist. Reaktive Störungen wie die Posttraumatic Embitterment Disorder (PTED) können physische Störungen auslösen. Eine chronische Anpassungsstörung leidet an der gedachten Kausalität. Burnout hat viel mit mangelnder Motivation zu tun, und zwar intrinsischer. Wir rackern uns ab, um Anerkennung im Außen zu bekommen, statt uns zu fragen, was uns wirklich wichtig ist.

Chronischer Stress bedeutet auch die Abwesenheit von Resilienz und damit die Fähigkeit, Krisen zu meistern. Du kannst diese zur Abschalten und Auftanken steigern. Wie steht es nun um dein persönliches Burnout-Risiko?

Chronischer Stress © Sylvia NiCKEL

Chronischer Stress: Prüfe deine Risikofaktoren

Bonelli nennt einige interessante Faktoren, die man für sich selbst prüfen sollte, um nicht in den Stress der Nomophobie zu kommen. Dabei handelt es sich um das 2-Stufen-Modell von Herbert Freudenberger und Gail North im Rahmen des Burnout-Screenings.

12 Stufen der Burnout-Spirale

  1. Drang, sich selbst und anderen etwas beweisen zu wollen.
    (»Mein Beruf ist mir total wichtig«)
    Diese extrinische Motivation zielt auf die Wertschätzung durch andere. Damit begibst du dich in ein perfektes Hamsterrad. Was machst du für dich selbst und was aus Wertschätzungswunsch, Geltungsstreben, Anerkennung?  Zu viel Ichhaftigkeit (Dienst am Ich), zu wenig Sachlichkeit (Dienst an der Sache). Diese hohe Involviertheit in die Arbeit ist der erste Schritt, viel zu viel tun zu wollen und daran körperlich zu scheitern.
    ➡ Prüfe deine Werte.
  2. Innerer Druck alles, selbst und alles richtig machen zu müssen.
    (»Ohne mich geht gar nichts«;Mikromanagement)
    Perfektionismusfalle: panische Angst vor der eigenen Fehlerhaftigkeit sowie zu hohe Leistungserwartungen an sich selbst führen zu extremer Überbelastung.
    Prüfe dein Zielsystem.
  3. Verdrängung eigener Bedürfnisse, beispielsweise nach Ausgleich und Schlaf.
    (»Wochenende? Welches Wochenende?!?«)
    Die Götter Chronos und Kairos stehen hierfür. Kairos bringt langfristig Freude. Er ist der Gott des richtigen Zeitpunkts. Kronos steht für die gemessene Zeit und den Umgang damit. Wer beispielsweise erst alle Gefälligkeiten abarbeitet um dann längst nach Feierabend zur Tagesaufgabe zu zu schreiten wird das Schicksal von Kronos gehen. Denn er definiert die Zeit nicht als seine und läuft Gefahr, sich der eigenen Lebenszeit nicht bewusst zu werden.
    Prüfe deine körperlichen Signale.
  4. Verdrängung von Konflikten mit Partnern oder Mitarbeitenden.
    (»Schlaflos jede Nacht / ich brauche kaum Schlaf«)
    Mangelnde Inperfektionstoleranz lässt überall Konflikte aufkommen. Schuld sind immer die anderen.
    Prüfe deinen Beitrag.
  5. Neue Prioritäten. Jetzt und Beruf oder Rolle ist alles.
    (»Am besten, ich ziehe ins Büro«)
    Die Verleugnung des Selbst.
    Prüfe deine Prioritäten.
  6. Emotionale Verhärtung und Abforderung derselben von anderen.
    (»Alles, was nicht tötet, macht dich härter.«)
    Prüfe deine Gefühle.
  7. Zynischer Rückzug, insbesondere bei wohlwollender konstruktiver Kritik.
    (»Ja, sicher, alle anderen haben nur Weißheit gefressen.«)
    Prüfe deine Schwächen.
  8. Apathie und vermeintlicher Kriegszustand mit allem und jedem.
    (»Klar, immer gegen mich.«)
    Prüfe deinen Frieden.
  9. Mensch-Maschine-Verwechselung. Rein mechanistisches Leben.
    (»Ich muss funktionieren.«)
    Prüfe dein Weltbild.
  10. Innere Leere und Mutlosigkeit, vor allem auch, die Situation zu ändern.
    (»Das kann man nicht ändern; die Welt ist halt so.«)
    Prüfe deine Ängste.
  11. Depression und Sinnentleerung.
    (»Hoffentlich ist bald alles vorbei.«)
    Prüfe deinen inneren Antrieb.
  12. Völlige Erschöpfung: Körperliche Notsignale und Systemversagen.
    (»Ich kann mich weder konzentrieren noch etwas fehlerfrei fertig stellen.«)

Anhand der Statements kannst du prüfen, ob und inwieweit du betroffen bist. Es gibt natürlich auch Tipps, wie du zumindest die ersten Stufen selbstbestimmt zurück drehen kannst oder Betroffenen in deiner Umgebung helfen kannst. Ein wichtiger Schlüssel ist die Resilienz.

Chronischer Stress: Bin ich gefährdet?

Peter Stadler legt hier einen Fragebogen vor und bittet auf folgende Aussagen mit »niemals, 1-2 mals, selten, manchmal, oft, meistens« den Grad der Zustimmung zu geben.

  1. müde sind,
  2. sich niedergeschlagen fühlen,
  3. einen guten Tag haben,
  4. körperlich erschöpft sind,
  5. emotional erschöpft sind,
  6. glücklich sind,
  7. „erledigt“ sind,
  8. „ausgebrannt“ sind,
  9. unglücklich sind,
  10. sich abgearbeitet fühlen,
  11. sich gefangen fühlen,
  12. sich wertlos fühlen,
  13. überdrüssig sind,
  14. bekümmert sind,
  15. über andere verärgert oder enttäuscht sind,
  16. sich schwach und hilflos fühlen,
  17. sich hoffnungslos fühlen,
  18. sich optimistisch fühlen,
  19. sich tatkräftig fühlen,
  20. Angst haben.
Peter Stadler: Burnout-Fragen

Burnout-Fragebogen von Peter Stadler

Organisationale Interventionsmöglichkeiten

Unternehmen und auch du als mitarbeitender Mensch kannst etwas zur Entstressung beitragen. Peter Stadler nennt folgende Ansatzpunkte:

  • Transparenz und Rollenklarkheit,
  • Partizipationsmöglichkeiten,
  • Kompetenzentwicklung,
  • Angemessenes Belohnungssystem,
  • Arbeitsgestaltung,
  • Mitarbeitergespräche,
  • Vermittlung eines realistischen Berufsbildes.

Raphael Bonelli: Chronischer Stress und Burnout-Prophylaxe

Der Vortrag »Bis an die Grenze – und dann? Burnout-Prophylaxe in Gesundheitsberufen« im Rahmen des Symposiums »Grenzsituationen in Medizin und Pflege« des Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) am 22.11.2019 in Wien hat einen sperrigen Titel, ist jedoch sehr kurzweilig und vor allem aufschlussreich. Lege dir Zettel und Stift bereit und nimm dir ein paar Minuten bei einem Gedankenblitz.

Upload 30.11.2019 | 35 Minuten

Puh, diesen Artikel begann ich am 30.11.2019, direkt nach Genuss des Vortrags. Welche Perfektionismusansprüche hielten mich nun 28 Tage von der Publikation ab? 😉
De-stress yourself & N.JOY your Life,
Sylvia Nickel

Referenzen

Elisabeth Ponocny-Seliger: 12-Phasen-Burnout-Screening, in: ASU, Zeitschrift für medizinische Prävention, Online am

Herbert Freudenberger; Gail North: Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins. Frankfurt/Main: Krüger 1992

Peter Stadler: Das Phänomen Burnout und was man dagegen tun kann, auf: Landesamt für Gesundheitheit und Lebensmittelsicherheit Bayern 2006, URL https://www.lgl.bayern.de/downloads/arbeitsschutz/praevention/doc/burnout2006.pdf. (Abruf 27.12.2019 um 11:13 Uhr)

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Autor: Sylvia Nickel

Diplom-Ökonomin. Freiberuflich beratend seit 1992 & Inhaberin der NiCKEL Business Performance, Oberhausen (http://2nc.de/).

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