Weniger ist Mehrwert.

Blog | Einfach produktiv & glücklich im Büro 4.1

Neuroergonomie © Sylvia NiCKEL

Neuroergonomie bei Word & Co.5 Minuten Lesezeit

| Keine Kommentare

Die Neuroergonomie liefert Erkenntnisse für besseres Arbeiten mit digitalen Medien. Nutze diesen Vorteil für fokussiertes Arbeiten.

Was die Neuroergonomie leistet

Dieses Arbeitsfeld, die Neuroergonomie (engl.: Neuroergonomics), ist sehr spannend, denn hier treffen gleich mehrere Fachgebiete aufeinander:

  • Psychologie: Erkenntnisse über Handlungsmotive und -tendenz. Die Handlungsabsicht wird auch Intention genannt.
  • Ergononie: Erkenntnisse über Modulatoren wie Stress und Motivation. Sind zu viele oder zu wenig Informationen zu verarbeiten, stellen sich Ermüdung oder Langeweile durch Unterforderung oder Konzentratiuonsstörungen durch Stress ein. Die Auswirkung der Anforderungen auf den Menschen nennt man Modulation.
  • Neurowissenschaften: Erkenntnisse über Wahrnehmung und  Informationsverarbeitung. Was unsere Aufmerksamkeit hat, das sehen wir: es ist die berühmte Stadt voller Kinder, die werdende Eltern sehen, weil der Fokus auf »Kind« liegt. Dies ist sehr interessant, denn wenn du deinen Fokus änderst, siehst du anders.  😎 Dieses Phänomen wird als Salienz (Auffälligkeit) bezeichnet

Ergebnis ist die Gestaltung der Oberflächen, der Touchpoints, der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik.

Neuroergonomie © Sylvia NiCKEL

Neuroergonomie und die Touchpoints

Drei fundamentale Probleme löst die Neuroergonomie und alle sind mit der Informationsflut verbunden. Bei der Gestaltung der Schnittstelle »Mensch–Maschine« sind diese drei Phänomene interessant:

Intention und kognitive Psychologie

Wir sind wir sind programmiert auf die Kontextsuche: wenn wir beispielsweise erlernen, dass rechts oben am Kreuz der Browser-Tab geschlossen wird, suchen wir in einem anderen Programm an der gleichen Stelle nach Problemlösung, also im Textverarbeitungsprogramm oder in der Mediathek. Unser Gehirn baut Lernstraßen. Und wenn sich ein Muster wiederholt, wird dies zur Autobahn … mit fatalen Folgen: wir sehen die Landschaft nicht mehr. Lösungswege bleiben uns verschlossen, weil wir sie unbewusst ausblenden.

Modulation und kognitive Ergonomie

Der Mensch verarbeitet nicht mehr als 7±2 zur selben Zeit. Alles andere merken wir uns über »Eselsbrücken«. Du merkst dir, zu »A« gehören »1«, »2« und »3« und zu »B« gehören »4«, »5« und »6«. Dies nennt man »chunken«.
Ein weiteres Phänomen der Modulation oder neuronalen Verarbeitung ist die mentale Ermüdung. Bei Langeweile oder Monotonie der Aktivität fährt das Gehirn quasi in den Sparmodus mit fatalen Folgen für die Fehlerquote, die dann nach oben schnellen kann. Echte Müdigkeit hingegen zeigt sich durch Konzentrationsschwächen aufgrund Erschöpfung. Hier hilft dann nur eine ausgedehnte Pause. Zahl und Art der Reize haben unmittelbaren Einfluss auf das Aktivitätsergebnis.

Salienz und kognitive Neurowissenschaft

Ist ein Reiz beispielsweise stärker als ein anderer, wird er eher wahrgenommen. Daher reagieren wir auf die Sternchen und Punkte in Signalfarben, die uns Produkte als »Nr. 1«, »Bestseller« oder ähnliches anpreisen. Dies ist in der digitalen Welt ebenso. Manch ein Menü wird nicht gefunden, weil es sich dezent am unteren Bildrand versteckt. Dies können wir uns auch zum Nutzen machen, indem jetzt nicht Notwendiges bewusst ausgeblendet wird.

Zusammengefasst dirigieren Intention, Modulation und Salienz Handlungen, in jedem Moment, in jeder Situation an jedem Gerät. Nun aber zur praktischen Anwendung. Ein Beispiel ist der Fokus, den Programme und Apps bieten. Mit zwei Tricks kannst du diesen ganz einfach steigern, denn es gilt:

Neuroergonomie: So nutzt du die Tricks

Windows: inverser Mouse-Cursor

Unter Windows kannst du den inversen Cursor nutzen. Dieser ist damit besser sichtbar. Dein Blick wird ihn fokussieren. Kein Suchen nach dem Zeiger mehr. So gehst du vor:

  1. Klicke die WINDOWS-Taste und rufe die Einstellungen (Rad) auf.
  2. Klicke auf »Cursor & Zeiger«
  3. Wähle »Zeigerfarbe ändern«

Windows Inverser Cursor

Schreiben: Modus für ablenkungsfreies Arbeiten

Viele Apps und Programme bieten mittlerweile einen Modus für ablenkungsfreies Arbeiten. Dadurch werden für den Arbeitsschritt irrelevante Menüs ausgeblendet. So gehst du vor:

  • nutze unter WordPress mit Shift + Alt + W.
    Mit derselben Kombination schaltest wieder auf Normalansicht zurück.
  • Bei Microsoft Word: wähle Ansicht (ALT + F) und anschließend Fokus (O). Nun bist du mit deinem Text allein und der Hintergrund ist automatisch schwarz. Auf der rechten Maustaste erscheinen die wesentlichen Optionen für die Textgestaltung. Links oben befindet sich ein Winkel, mit dem du das Menüband wieder einblenden kannst. Mit ESC kommst zu du zur gewohnten Ansicht zurück. Im Office-Pakt bietet bislang nur Word den Fokusmodus.
    Leider konnte ich für die Grafik den Bildschirm im Fokusmodus nur fotografieren, da zum Aufruf anderer Apps wie Ausschneiden und Skizzieren der Normalmodus wieder hergestellt werden muss.

Microsoft Word Fokus

Suche nach dem Fokusmodus

Dies werden nicht die einzigen Apps mit Fokusmodus sein. Schaue bei deiner Lieblingsanwendung nach. Denn die Neuroergonomen forschen ständig weiter und in diesen Zeiten finden Software-Anpassungen ständig statt.

Ablenkungsfreies oder fokussiertes Arbeiten bedeutet auch, nicht durch unnütze Benachrichtigungen abgelenkt zu werden. Daher empfiehlt sich für Social Media Plattformen generell die Benachrichtigung zu deaktivieren und das Smartphone in den »Flugmodus« oder auf »Nicht Stören« zu schalten. Wenn die Neugier siegen will, dann nutze einen Internetblocker wie beispielsweise Focus@will oder RescueTime.

In den Referenzen habe ich dir den Vortrag von Prof. Dr. Edmund Wascher hinterlegt. Er beschreibt mit Beispielen das Feld der Neuroergonomie. Manch App-Entwickler wird an diesen Anforderungen zu knabbern haben 😉

Ich wünsche dir ein fokussiertes Arbeiten.
Just focus & N.JOY your work,
Sylvia Nickel

Referenzen

Prof. Dr. Edmund Wascher (Forschungsbereich Ergonomie am Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund IfADo) über Neuroergonomie. Aufzeichnung eines Vortrags auf dem Neuro-Forum an der Hertie-Stiftung vom 05.11.2019 (34 Minuten), ©2019 www.dasGehirn.info, URL: https://youtu.be/Bej4rIgFBQk

Thomas Goschke: Warum wir nicht immer tun, was wir wollen. Motivationskonflikte und die neurokognitiven Mechanismen der Selbstkontrolle, in: Claudia Gorr; Michael C. Bauer (Hg.): Was treibt uns an?, Springer 2018, ISBN 978-3-662-54856-1, S. 37–66

Christian E. Elger: Einflüsse im Gehirn: Wovon hängt ab, wie wir uns entscheiden? in: Claudia Gorr; Michael C. Bauer (Hg.): Was treibt uns an?, Springer 2018, ISBN 978-3-662-54856-1, S. 23–35

Wie gefällt dir dieser Artikel?

1 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 5
(5,00 von 5 Punkten, basierend auf 1 abgegebenen Stimmen)

Loading...
paypla meDie Serverkasse freut sich: Unterstütze diesen Blog mit einem einmaligen Betrag deiner Wahl, einfach via paypal.

Diese Artikel könnten dich ebenfalls interessieren

Mehrwert für Dich.

Abonniere den Mehrwert-Boten für kostenfreie E-Books, Tipps & Webinare.

I agree to have my personal information transfered to MailChimp ( more information )

Deine Daten werden nur für diesen Zweck genutzt. Du kannst den Newsletter jederzeit entfernen.

Facebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmailby feather

Autor: Sylvia Nickel

Diplom-Ökonomin. Freiberuflich beratend seit 1992 & Inhaberin der NiCKEL Business Performance, Oberhausen (http://2nc.de/).

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: