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Geduld © Sylvia NiCKEL

Sofortness – Folgen der Schnellsucht6 Minuten Lesezeit

| 3 Kommentare

Der Österreicher Peter Glaser kreierte das Wort »Sofortness« 2007 in einem Artikel für für die Zeitschrift Technology Review»Früher war alles später«, titelt neun Jahre später Manfred Spitzer und ich ergänze »und heute ist alles sofort«. Dass dieser Wunsch, alles sofort haben zu wollen, eine dunkle Seite hat, darum geht es in diesem Artikel.

»Jetzt« ist manchmal gerade schnell genug

Das kennen wir vom Online-Kauf und unserer Ungeduld in manch anderer Lebenslage. Doch während die Logistikbranche unter der Sofortness sichtbar leidet, hat sich dieses Phänomen still und heimlich in Deinen Arbeitsalltag eingeschlichen. Erkenne Sofortness und stelle sie ab.

Der deutsche Schlagerstar Gitte Haenning besang bereits 1982 »Ich will alles und zwar sofort«. Niemand hätte damals gedacht, dass genau diese Sucht zwei Jahrzehnte später die digitale Gesellschaft beherrscht. Du bist im Online Shop und entscheidest Dich für ein E-Book, Klick und Download, sofort. Du hast ein technisches Problem: Anruf bei der Hotline, Lösung sofort. Diese Erwartung, sofort eine Reaktion zu erhalten, zieht sich durch alle Lebensbereiche. Ab und an erhalte ich einen Anruf (mit unterdrückter Nummer) nach dem Motto »ich habe dir soeben eine E-Mail gesendet und noch keine Antwort erhalten«. Genau an diesem Punkt schlägt Sofortness um, denn der Mensch ist nicht für 24/7 – 24 Stunden Verfügbarkeit an sieben Tagen in der Woche – gemacht. Er benötigt Phasen der Entschleunigung, um in Achtsamkeit (auch im Beruf) die Dinge zu tun, sich zu erden, sich zu erholen.

Wer »Sofort« von anderen erwartet setzt voraus, dass diese nur für diesen Zweck existieren. Nicht jeder Arbeitsplatz ist aber eine Hotline und nicht jede Lösung einen Klick entfernt. Und auch wenn ich gerade an diesem Appell für mehr Geduld schreibe, so bin ich erst vor wenigen Tagen selbst auf meine gesteigerte Erwartung hereingefallen:

»Wie? Das dauert …?!?«

An meinem Fahrrad kam ich mit der Einstellung der Gangschaltung nicht zurecht. »Da muss ein Fachmann ran« dachte ich und rief den nächsten Fahrradmechaniker an. Ich dachte, dass ein Profi bestimmt nicht lange benötigt, dass ich vorbei fahre, vielleicht zwanzig Minuten warte, zahle und mein Problem gelöst ist. Pustekuchen!

»Zurzeit haben wir eine Woche Vorlauf« meinte der Mechaniker und ich dachte »wie?!?«. Ein zweiter Gedanke schlich in mir hoch: wenn es dauert, wird es wahrscheinlich auch noch teuer. Aber alleine habe ich das Problem nicht gelöst. Also, ab auf das Fahrrad und hin zum Fachmann. Auf der Fahrt dorthin schmunzelte ich innerlich über meine Erwartungshaltung: sofort. Ausgerechnet ich, die dauernd Gelassenheit und Geduld verkündet … 🙂

Ich habe mit dem Inhaber darüber gesprochen: dass ich es durchaus sinnvoll finde, den Betrieb für die Mittagspause (zwei Stunden) zu schließen und auf kein »sofort« einzugehen. Denn mal ehrlich: wer stirbt, wenn das Fahrrad erst später einsatzbereit ist? Für die ernsthaft dringenden Fälle wird dieser Betrieb ohnehin eine smarte Lösung finden, oder?!?

Entspannt warte ich nun auf den nächsten Mittwoch. Denn dann hole ich das Fahrrad ab. – Was hättest Du gemacht? Mehrere Betriebe angerufen, um denjenigen zu finden, der sofort Dein Problem löst?

Was die Schnellsucht mit Dir macht

»Jetzt, sofort, alles, immer und überall« – die Ubiquität von Menschen, Informationen, Dingen und Prozessen hat negative Folgen: kein Abwägen, kein Überlegen auf der Seite der Erwartenden und totale Fremdbestimmung, Arbeitsunterbrechungen oder gar Multitasking auf der Seite der Liefernden. Und das sind die Folgen:

  1. Mit der Erwartungshaltung »sofort« erhöhst Du die Schlagzahl, den Stress – für Dich selbst und für andere.
  2. Wer sich selbst und anderen keine Zeit für ein Nachdenken, Reflexion und mentale Verarbeitung lässt, fordert Flüchtigkeitsfehler und Qualitätsmängel nahezu heraus.
  3. Im Multitaskingmodus nimmt das Hirn tatsächlich Schaden. Die Vergesslichkeit nimmt zu, denn jeder Versuch des Multitasking ist eine Abfolge von Unterbrechungen.
  4. Dauerhafte Höchstleistung im verzweifelten Versuch, alles sofort zu erledigen, raubt dem Körper die Energie, der Seele den Lebenssinn und dem Geist die Konzentration: Burnout (trotz aller Richtlinien zum Gesundheitsschutz)

Echtzeit ist für die Maschinen, das Internet der Dinge, nicht für den Menschen gemacht. Schalte innerlich von Maschine auf Mensch, damit nicht Deine Biografie einmal lautet: »Ich war ein Roboter«. 😉

Sofortness mit Gelassenheit begegnen

Entschleunigung ist das Zauberwort gegen die Forderung »real time«, alles in Echtzeit erledigt haben zu wollen. Und mit diesen Methoden funktioniert es:

  1. Die einfachste Methode, sich zu entschleunigen, ist die Frage »muss es gerade JETZT sein?«. So wie der kleine Zettel mit der Erinnerung »willst du das wirklich kaufen?« in der Geldbörse den einen oder anderen Kaufrausch bremst, hilft dieser einfache Reminder. Es ist übrigens eine der vier Entlastungsfragen zugleich.
  2. Übungen in Achtsamkeit entschleunigen nicht nur, sondern sind auf für das Gehirn sehr gut. 30 Minuten täglich konzentriert auf eine Aufgabe lässt messbar mehr Zellen schon nach acht Wochen entstehen.
  3. Slow Food und bewusste Pausen sind das Gegenstück zum Multitasking. Bei diesem Slow Making gilt es, nur eines zu tun: Monotasking.
  4. Unplugged: Stille und Natur genießen, ohne Smartphone und Musik fördert die Erdung, die Wahrnehmung dessen, was ist und den Genuss des einzigen Moments, in dem wir leben: dem Jetzt. Für Städter gibt es keine Ausrede. Parks und Wiesen gibt es überall. Man muss sie nur finden wollen.
  5. Gemeinsame und persönliche Aktivitäten ohne Ablenkung durch Medien, also echte Gespräche und weder Telefonate noch Chats entschleunigen und sind stets Übungen in aktivem Zuhören.

de-stress yourself © Sylvia NiCKEL

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Ich wünsche Dir eine entspannte Zeit,
Sylvia Nickel

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Autor: Sylvia Nickel

Diplom-Ökonomin. Freiberuflich beratend seit 1992 & Inhaberin der NiCKEL Business Performance, Oberhausen (http://2nc.de/).

3 Kommentare

  1. Pingback: Freitag, der 13. | Was darf heute schief gehen? - Weniger ist Mehrwert.

  2. Ja, man will das man immer sofort reagiert. Ich schalte inzwischen mal ganz bewusst mein Mailprogramm aus. Den immer sofort zu reagieren ist auch ein enormer Zeitfresser.

    • Gratualution! Gerade die kleinen Unterbrechungen haben es in sich. Wenn man ganz konsequent ist, lassen sich schnell 20% der Arbeitszeit für bessere Aktivitäten gewinnen. Nach jeder Arbeitseinheit (Pomodori, Workload) ist genug Zeit, die E-Mails zu checken. Eine enspannte Zeit, Sylvia Nickel

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