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Zeitverdichter © Sylvia NiCKEL

Zeitverdichter: Über die Beschleunigung unserer Zeit4 Minuten Lesezeit

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Last Updated on 3. Januar 2020 by Sylvia Nickel

Das Internet gilt als Wohnsitz aller Zeitverdichter. Warum Beschleunigung nicht nur eine Entwicklungsfalle ist, liest du hier.

Warum Selbstführung keine Anleitung für Zeitverdichter ist

In der Sprechstunde werde ich häufig nach Methoden und Techniken gefragt, um in weniger Zeit noch mehr zu erreichen. Bis zu einem gewissen Grade helfen viele Methoden auch, den Alltag in den Griff zu bekommen, sei es die Aufgabenliste, das Notizmanagement oder das Terminmanagement. Manch ein Mensch sagt sich »prima, damit schaffe ich noch mehr« und betritt damit eine gefährliche Spirale, an deren Ende der Burnout steht. Es ist die Spirale der Zeitverdichtung: immer mehr in kürzerer Zeit, unterstützt vom »ausgelagerten Gedächtnis« cloudbasierter Apps und gesteuert vom Brummen des Smartphones. Dafür ist der Mensch nicht geschaffen, auch nicht der des 21. Jahrhunderts.

Bei der Selbstführung steht nicht die Maximierung der Tätigkeiten in einer gegeben Zeit im Mittelpunkt, sondern die Optimierung der Tätigkeiten in der uns gegebenen Zeit. Dann stellt sich die Sinnfrage nach dem Handeln. Dies erfordert die Bewusstwerdung der Themen, beispielsweise durch Journaling. Selbstführung ist das komplette Gegenteil zur Zeitverdichtung. Es stellt das Selbst in den Mittelpunkt.

Zeitverdichter © Sylvia NiCKEL

Selbstführung ist Selbstfürsorge: nichts für Zeitverdichter

Mit Selbst ist nicht das Ego (»me, myself & I«) gemeint, sondern das, was du bist. Das Selbst ist nicht frei von Emotionen, aber es sollte frei vom Ruf nach Anerkennung im Außen sein. Wie kannst du für das Selbst sorgen? Die Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki nennt vier Aspekte der Selbstfürsorge:

  1. Grenzen akzeptieren (»ich brauch jetzt Ruhe«);
  2. Körperliche Signale erkennen und befriedigen (Hunger, Durst, Müdigkeit, Bewegungsdrang);
  3. Grenzen setzen (»Das akzeptiere ich nicht«, »Nein, nicht ich, nicht jetzt und nicht in dieser Form«);
  4. Sinnhaftigkeit empfinden und sinnvolle Gestaltung der Zeit (»Das mache ich intuitiv«. »Dies mache ich, weil es mir Kraft bringt / gut tut.«).

Gerade der erste Aspekt wird auf der Suche nach Selbstoptimierung gerne übersehen. Und statt den körperlichen Signalen nachzugehen, wird die Selbstkasteiung heroisiert, bis sich Zipperlein bemerkbar machen. –  Du erkennst die Spirale?

Zeit ist die Währung des Lebens. Es gibt nur dieses eine Leben. »Irgendwie und irgendwann wird irgendetwas …« ist ein Vorsatz, den man gleich beerdigen kann. Wie kannst du die Zeitverdichtung stoppen, ohne gleich als »nicht leistungsfähig« oder »unkooperativ«  zu gelten?

So entkommst du dem Wohnort der Zeitverdichter

Wenn die Zeit knapp zu sein scheint, dann ist es Zeit, sich Zeit zu nehmen. Das funktioniert beispielsweise sehr gut mit einer Zeitspanne von 20 Minuten – für Eilige 😉

  1. Sorge durch einen Rhythmus für Zeit mit dir selbst, deinem Selbst.
  2. Übe dich in Dankbarkeit, beispielsweise mit Hilfe eines Glücksglases oder dem Bullet Journaling
  3. Gönne dir regelmäßig einen Digital Timeout bzw. Digital Detox.

Dies ist kein Apell an Back to the 80’s, jedoch ein Plädoyer für einen bewussten Umgang mit Technologie und Methodik. Du wirst fokussierter an die dir wichtigen Dinge herangehen. Die hat einen Grund, denn du nimmst dir die Zeit, über den Fokus nachzudenken. Dies ist der Schlüssel für selbsfürsorgliche Prioritäten.

Inspiration aus der Mediathek

Zwei Videos empfehle ich dir zur Vertiefung. Das erste ist eine Dokumentation des BR zur Zeitverdichtung und dem Wahnsinn, den sich Menschen selbst antun, indem sie die Entscheidungshoheit an Apps und technische Gimmicks aus falsch verstandenem Leistungsanspruch abgeben.

Der zweite Video-Tipp ist das Gespräch von Ken Jebsen mit Bärbel Wardetzki, Autorin von »Loslassen & dranbleiben«.

Ich wünsche dir Inspiration und die Antwort auf die Frage: Wie möchtest du leben? Im Rhythmus der Natur oder mit dem Taktschlag der Uhr?

Just decide it & N.JOY your life,
Sylvia Nickel

Referenzen

  1. Bärbel Wardetzki: Loslassen & Dranbleiben. Wie wir Veränderungen mutig begegnen, Kösel Verlag 2019, ISBN 978-3466347032
  2. Im Gespräch: Bärbel Wardetzki (“Loslassen & dranbleiben”), KenFM, Upload am 02.01.2020, 96 Minuten, URL https://youtu.be/30wGnHxNFJM
  3. BR: Zeitmanagement: Warum das Leben immer schneller wird, Faszination Wissen, Upload am 19.05.2015, 29 Minuten, URL https://youtu.be/HE2aauJnLV4
  4. URL https://youtu.be/30wGnHxNFJM

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Autor: Sylvia Nickel

Diplom-Ökonomin. Freiberuflich beratend seit 1992 & Inhaberin der NiCKEL Business Performance, Oberhausen (http://2nc.de/).

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